Städtebau  
 

Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb, 2. Bauabschnitt
"Außenanlagen Carl-von-Ossietzky-Schule (Gemeinschaftsschule), Berlin Friedrichshain-Kreuzberg"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
22.720,- Euro
  herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin
Verfasser*in: Mareike Schönherr
Mitarbeiter*in: Markus Schönherr, Illaria Cesari,
Lucas Rauch, Kathrin Behling, Simona Müller



Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Verfasser*innen führen die Zonierung des 1. Bauabschnitts in Form von drei städtebaulichen Bändern bewusst fort und stärken diese, indem sie ihnen die drei Schulfarben Rot, Gelb, Blau zuordnen, die sich in Bodenbelägen und Ausstattungselementen abbilden.

Die zentrale Esplanade wird, entsprechend der Gestaltung beim 1. Bauabschnitt, als dunkle Asphaltfläche bis zur Blücherstraße weitergeführt, ergänzt durch ein rotes Punkteraster und auf Seiten der Sporthalle von einer Birkenreihe begleitet. An der Blücherstraße werden Tor und Zaun nach Innen versetzt, so dass ein einladender Bereich vor dem Schulgelände entsteht, der durch das Schullogo als „Bodentattoo” betont wird. Der behindertengerechte Zugang zur Sporthalle erfolgt auf diese Weise direkt vom öffentlichen Raum aus, was positiv bewertet wird.

Die bestehenden Gebäudeterrassen entlang der Esplanade und westlich des Grundschulbereichs erhalten z.T. einen neuen Bodenbelag aus Klinkern mit Rasenfugen und werden mit Zierkirschen bepflanzt. Auf den Terrassen werden ausschließlich Sitzmöglichkeiten angeboten, was zwar den urbanen Charakter der Esplanade betont, jedoch aus Sicht der Jury ein zu eingeschränktes Nutzungsangebot darstellt.

Der Schulpark im Osten ist klar strukturiert. Dies wird erreicht, indem die großzügig dimensionierte Mensaterrasse (Klinkerbelag) nach Süden und Osten eine deutliche Kante zum Erschließungsweg aus Granit-Kleinsteinpflaster bildet. Terrasse und Wegeverlauf greifen auf diese Weise die Form des Gebäudes auf, was zur Klarheit des Entwurfes beiträgt, jedoch aus Sicht der Jury auch zu einem zu hohen Grad an Versiegelung führt. Insbesondere die Belagsfläche zwischen den beiden südöstlichen Gebäudeeingängen, für die keine Nutzung vorgeschlagen wird, erscheint entbehrlich.

Auf der Mensaterrasse werden Bäume gepflanzt, die dem Außenbereich der Mensa mit fest eingebauten Tischen und Stühlen Schatten spenden. Westlich dieses Bereichs bildet die "Sofalandschaft" ein eigenständiges Element, das im späteren Beteiligungsverfahren mit den Schüler*innen zusammen entwickelt werden kann. Eine quadratische Pflanzfläche mit drei Bäumen markiert die Ost-Ecke der Terrasse. Leicht nach Süden vorgeschoben, motiviert sie geschickt die Gabelung des Weges, der auf selbstverständliche Weise die Sportflächen erschließt, nach Norden weitergeführt wird, den Bereich des Amphitheaters umrundet und am mittleren Eingang zum Gebäude endet. Die Fortsetzung der Wegeverbindung nach Norden, die vor allem der Feuerwehrerschließung dient, wird zurückhaltende als Schotterrasen ausgebildet, was dem Charakter dieses schmalen, grüngeprägten Raums gerecht wird.

Am Weg sind sog. „Actiondots” angelagert, kreisförmige Flächen mit vielfältigen Nutzungsangeboten für alle Altersgruppen (Streetball, Trampolin, Calisthenics, Beachsoccer etc.). Dieses Konzept eines verteilten Nutzungsangebotes in wiedererkennbaren Formen wird grundsätzlich positiv beurteilt, führt aber auch zu Einschränkungen: So entspricht die vorgeschlagene Größe der beiden Streetballbereiche nicht der hohen Wichtigkeit, die diese Sportarten für die Schule haben. Dass für die Mädchen ein eigener Streetballbereich angeboten wird, beweist ein gutes Gespür der Planverfasser für die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzergruppen. Von Teilen der Jury wird jedoch hinterfragt, ob die Verortung dieser Aktionsfläche in der eher ruhigen Zone nördlich der Arena richtig ist.

Die Topographie des bestehenden Amphitheaters östlich des Schulgebäudes, von den Planverfassern als „Senkgarten” bezeichnet und als grün geprägter Raum weiterentwickelt, wird sensibel verändert. Das Angebot von zwei Bühnen erscheint der Jury nicht unbedingt notwendig. Oberhalb des Senkgartens werden zahlreiche, aus Sicht der Jury eher zu viele, Nutzungsangebote gemacht (Hängematten, Sitzecken, grünes Klassenzimmer). Hier wird auch der gewünschte Kiosk verortet.

Westlich der Sporthalle entsteht eine abwechslungsreiche Spiellandschaft (Baumhäuser, Kletterparcours etc.), was diesen Bereich deutlich aufwerten und den Grundschüler*innen den bisher nicht ausreichenden Bewegungsraum bieten wird. Der Zugang zu Sportplatz und Kita wird geschickt gelöst, indem Funktionsbereiche wie Müll und Pkw-Stellplätze vom fußläufigen Bereich sauber getrennt werden. Der Schulhof wird nach der Umgestaltung gut und funktional erschlossen, z.B. gelingt es die geforderten 420 Fahrrad-Stellplätze zweckmäßig anzuordnen.

Allgemein ist der gesamte neu gestaltete Schulhof im Sinne einer guten Orientierung und vernünftiger Wegebeziehungen klar strukturiert.

Insgesamt formulieren die Planverfasser klare Vorstellungen, für welche Elemente und in welcher Form sie sich eine weitere Beteiligung der Schüler*innen vorstellen können: So soll die Struktur der Schulhofarbeitsgruppe beibehalten werden und es sollen Projekttage zur Planung sowie Projektwochen zur Umsetzung – unter baufachlichen Begleitung einer "netten Tischlerfirma" – stattfinden. Neben den in der Auslobung bereits benannten, sollen insbesondere Spiel- und Ausstattungselemente mit den Schüler*innen weiter ausformuliert werden. Auch an der Auswahl der Kletter-, Parcours und Calisthenics-Elemente sollen die Schüler*innen beteiligt werden.

Sehr positiv wird bewertet, dass Blickbeziehungen aus dem Stadtraum auf den Schulstandort hergestellt werden und der Schulcampus dadurch besser in den Stadtteil eingebunden wird. Besonders vorteilhaft ist dies vom Südstern aus. Die neuen Sichtbeziehungen entstehen durch Entnehmen von Bäumen an den richtigen Stellen und Auslichten des Unterwuchses.

Perspektive
Perspektive Schulpark

Lageplan
Lageplan M 1:250

Schnittansicht
Schnittansicht