Städtebau  
 

Nichtoffener Realisierungswettbewerb für Architekt/innen als Generalplaner/innen mit
Tragwerksplaner/innen, Fachplaner/innen für Technische Ausrüstung sowie Ausstellungs­gestalter/innen mit anschließendem Verhandlungsverfahren nach Vergabeverordnung (VgV)
"Flughafengebäude Tempelhof - Geschichtsgalerie auf dem Dach, Berlin Tempelhof-Schöneberg"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
68.000,- Euro
  Staab Architekten, Berlin
Verfasser/in: Professor Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wäldle, Brigitte Fischer,
Sophia Martinetz, Zusanne Kaluzna, Mathis Grahl

Tragwerksplanung:
ifb frohloff staffa kühl ecker
Beratende Ingenieure PartG mbB, Berlin
Verfasser/in: Dipl.-Ing. Henning Ecker
Mitarbeit: Andrea Menardo, Birgit Mai

Technische Ausstattung:
Winkels Behrens Pospich Ingenieure für Haustechnik, Münster
Verfasser/in: Professor Dipl.-Ing.Andreas Winkels
Mitarbeit: Dipl.-Ing. Joachim Behrens, Dipl.-Ing. Christiane Kunz,
Dipl.-Ing. Alexander Löwen

Ausstellungsgestaltung:
Staab Architekten, Berlin
Verfasser/in: Professor Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wäldle, Brigitte Fischer,
Sophia Martinetz, Zusanne Kaluzna, Mathis Grahl



Beurteilung durch das Preisgericht:

Auf den ersten Blick als ein zurückhaltendes Konzept für die Geschichtsgalerie zu erkennen, zeigt die nähere Betrachtung eine ebenso radikale wie sorgfältige Inszenierung der begehbaren Dächer des Flughafens Tempelhof als eine Geschichtsgalerie. Die konkrete Erfahrung dieses grandiosen Bauwerks in den vielfältigen Facetten, die sich von diesem Deck ergeben, die „analoge“ Wahrnehmung, soll mit einer virtuellen überlagert werden, die mit akustischen und digitalen Bildern produziert wird. In einer schlüssigen Interpretation des geschichtlichen Bestands wird eine Aussichtsplattform in der Mitte des Bauwerks angeordnet. Die mittelfristig notwendige Erschließung über den Treppenturm 4 verstellt den Blick nicht über den originalen Bestand mit der zentralen, öffentlichen Erschließung.

Die Besucherführung über eine Eingangsrampe erlaubt es, auf eine Öffnung des originalen Treppengebäudes zu verzichten. Ein schwarz gefärbter Belag aus Granulat führt die Besucher durch das Treppenhaus und die „Boxes“ als einen kontinuierlichen Erzählstrang bis auf die Dächer und bildet dort den Boden für die ganze Geschichtsgalerie. In diesem Boden eingelassene Zeichen bilden den Auftakt eines ganzen Systems von Informationsträgern, mit denen die Vermittlung der Geschichte des Flughafen Tempelhofs orchestriert werden. Der Granulatbelag wird in einer ebenso schwarzen Decke gespiegelt, welche den Schall absorbieren soll. Dieses Setting erlaubt eine suggestive Wahrnehmung des Panoramas auf das Flugfeld und in die Stadt, jedoch bleibt abzuwägen, ob die Überformung des Dachs notwendig ist, da sie den Blick auf die originale Fassung des Bestands versperrt.

Das System der Informationsvermittlung mit Paneels, Bodenmarkierungen und weiteren Informationsträgern ist auf den Blick in das Flugfeld ausgerichtet, wo sogenannte „Ereignisfelder“ die Geschichte von Tempelhof in einer topologischen Disposition markieren. Raffinierte optische Überschneidungen, welche in Analogie zu den Positionslichtern der Flugzeuge entwickelt sind, ergänzen das Konzept einer attraktiven, spielerischen Vermittlung der Geschichte.

Die Entwerfer gestalten die Geschichtsgalerie mit geringen Eingriffen zu einer ruhigen, dem Hören und Schauen gewidmeten „Geschichtsmeile“. Schalldämpfende Materialien an Boden und Decke ermöglichen Soundinseln, die im Zusammenhang analoger oder digitaler Informationssysteme den Ort „Tempelhof“ erschließen. Im Treppenturm 4 werden an den Wänden der Treppenpodeste Flächen für Präsentationen in Text und Bild geschaffen, die die Besucher von den Sitzstufen des mittleren Treppenlaufs aus studieren können. Der Eingang in der EG-Ebene im Treppenturm 4 erfüllt die wesentlichen Empfangsanforderungen; eine Garderobe sollte berücksichtigt werden.

Die neuen Aufbauten für die Ausstellungsplattform und Geschichtsgalerie sollen als leichte Elemente (Stahlwannen mit Gummigranulat gefüllt) hergestellt und auf Holzbohlen auf die Abdichtungsebene aufgeständert werden. Die Geschichtsgalerie wird im Laubgengang angeordnet, der bereits für 5,0kN/m² Nutzlast konstruiert ist. Für die Ausstellungsplattform wird die Verstärkungsmaßnahme gemäß Gutachten (Einbau zusätzlicher Pfetten zwischen den Hauptbindern) verfolgt.

Bauteil B wird im Bereich über dem Kragdach stark umgeformt – der Umfang der dafür erforderlichen konstruktiven Maßnahmen ist im Rahmen des Wettbewerbs nicht abzuschätzen und wäre noch zu prüfen.

Das Projekt beeindruckt mit einer gestalterisch überzeugenden Synthese eines radikal zeitgenössischen und zugleich zurückhaltenden Umgangs mit dem Baudenkmal Tempelhof. Wie weit die einzelnen Komponenten der Vermittlung von Geschichte sinnvoll umgesetzt werden könnten, wäre noch zu überprüfen. Die hervorragende visuelle Darstellung des Projekts in allen Teilen stimmt optimistisch.

Perspektive
Perspektive

Perspektive
Perspektive

Grundriss Dachebene 1. + 2. BA und Ausstellungskonzept
Grundriss Dachebene 1. + 2. BA und Ausstellungskonzept

Bauteil B Dachebene B
Bauteil B Dachebene

Bauteil B Schnitt
Bauteil B Schnitt

Treppenturm 4 EG
Treppenturm 4 EG

Treppenturm 4 Dachebene
Treppenturm 4 Dachebene

Treppenturm 4 Schnitt
Treppenturm 4 Schnitt