Städtebau  
 

Nichtoffener Gestaltungswettbewerb für Arbeitsgemeinschaften aus Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten, professionellen Künstlerinnen und Künstlern und/oder Gestaltern und/oder Schriftgestaltern und/oder Typographen mit vorgeschaltetem, offenem Bewerberverfahren
"Begräbnisstätte und Erinnerungsort auf dem Friedhof Altglienicke, Berlin Treptow-Köpenick"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
5.200,- Euro
  outside< Landschaftsarchitektur, Wien
Thomas Leidinger

Mag. Katharina Struber, Arch. DI Klaus Gruber, Wien


Beurteilung durch das Preisgericht:

Der Vorteil dieses Entwurfes ist die klare räumliche Aufteilung und Organisation des Raumes in zwei Bereiche. Die zwei Hauptelemente bilden ein Diptychon, welches einerseits die Urnengrabstellen der Opfer zu einem zur Besinnung anregenden gemeinsamen Grabfeld zusammenfasst, und anderseits individuellem Gedenken sowie Versammlungen vor den Namentafeln Raum gibt.

Die Urnenfelder sind auf gelungene Weise durch einen 25 cm breiten Streifen aus Baubronze zusammengefügt. Der Streifen funktioniert sehr gut als Schriftbahn, versehen mit dem Text, der vermittelt, dass hier die Opfer ruhen. Da der Text umlaufend ist, werden die Besucher auf ein meditatives Gehen entlang des Grabes eingeladen, was auch den Prozess der Reflexion fördert und die verbleibende Rasenfläche in den Fokus rückt. Das Material selbst ist wertvoll, die Schrift gut ausgewählt und monumental. Dazu ist die Bepflanzung gut ausgewählt, immergrün und für die Fläche vegetationstechnisch realistisch. Der Eingangsbereich ist mit zurückhaltenden Infotafeln versehen, wodurch die Hauptinformation des umlaufenden Schriftzuges an Wichtigkeit gewinnt.

Der zweite Bereich des Entwurfs bildet räumlich eine relativ große Fläche, die sich sehr gut für individuelles Gedenken an die Opfer eignet. Dieser Raum bietet zudem genug Platz für Gruppen, Schulklassen und Geschichtsvermittlung. Das Besondere an dem Entwurf ist die Tatsache, dass jeder Name der Opfer auch handschriftlich von unseren Zeitgenossen geschrieben werden soll. Die handgeschriebenen Namen nehmen aktiven Bezug auf die Erinnerungsarbeit und auf Geschichtsaufarbeitung, was als sehr gut bewertet wird. Das partizipative Potential dieses Projekts ist sehr groß und bietet Chancen für die Verankerung des Projekts im Bewusstsein sowohl des unmittelbaren und weiteren Umfelds, als auch für das aktive Gedenken von Angehörigen der Opfer.

Der Entwurf legt besondere Aufmerksamkeit auf die Farbigkeit. Der Farbkanon wird aus der Umgebung entwickelt, was die Würde des Ortes unterstützt. Besonders erwähnenswert scheint, dass sich das natürliche Grün des Friedhofs in den grünen Flächen der Glaswände mit den Namen der Opfer spiegelt, was die meditative Stimmung unterstreicht. Der einheitliche Teppich aus wassergebundener Wegedecke bietet den beiden Hauptelementen sowohl in der Materialität als auch aus gestalterischer Sicht einen angemessenen Rahmen.

Die folgenden kritischen Punkte und Nachteile wurden angesprochen:
- im umlaufenden Schriftzug sollte nicht von Verstorbenen, sondern zum Beispiel von Ermordeten gesprochen werden.
- die Trennung zwischen den Namentafeln und den Urnenfeldern wurde kontrovers diskutiert.
- die grelle Farbigkeit der Glastafeln wurde kontrovers diskutiert. Diese, wie auch die allgemeine Ausführung, sollte darauf überprüft werden, keinen kommerziellen Charakter oder solchen konventioneller Ausstattung öffentlicher Räume zu vermitteln.
- das Umgehen des erhöhten Bandes aus Baubronze im Bereich der historischen Friedhofsmauer wird in der derzeitigen Dimensionierung als schwierig erachtet.
- die Möglichkeit der Umsetzung des partizipativen Teils des Entwurfs wurde ebenfalls kontrovers diskutiert.

Perspektive
Perspektive

Lageplan
Lageplan