Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Fördergebiete, Vorhaben und Rundgänge

Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt – Bezirk Mitte


Karl-Marx-Allee
Karl-Marx-Allee

Ausgangslage

Anfang der 1950er Jahre entstand im östlichen Teil Berlins an der damaligen Stalinallee (ab 1961 Karl-Marx-Allee) der im Architekturstil der "Nationalen Traditionen" erbaute I. Abschnitt der Karl-Marx-Allee. Er umfasst den Abschnitt zwischen Proskauer Straße und Strausberger Platz und wurde als repräsentativer Boulevard mit markanten Torplätzen und vielgeschossigen Wohngebäuden ausgestaltet. Läden und Kultur- und Gastronomieeinrichtungen sind teils in den Erdgeschosszonen, teils in vorgelagerten Pavillonbauten untergebracht. Davon grenzt sich der nur einige Jahre später in industrieller Bauweise entstandene II. Bauabschnitt städtebaulich ab (Planung: 1958 – 1959; Realisierung: 1959 – 1971). Dieser zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz gelegene Abschnitt wurde nach städtebaulichen Entwürfen der Kollektive Werner Dutschke und Edmund Collein als Wohnkomplex mit mehr als 5.200 Wohnungen für insgesamt rd. 16.100 Einwohner geplant und errichtet. Er dokumentiert heute in eindrucksvoller Weise den Paradigmenwechsel im Städtebau der DDR von den "Nationalen Traditionen" zur "Moderne". Mit der Realisierung des II. Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee begann der Wiederaufbau des Ost-Berliner Stadtzentrums.

Das Gebiet ist durch freistehende Einzelgebäude aus industriell vorgefertigten Elementen geprägt, die als städtebauliche Gesamtkomposition im öffentlichen Raum mit weitläufigen Grünflächen zwischen den einzelnen Gebäuden gestaltet worden sind. Neben den strukturbestimmenden Wohngebäuden wurden weitere Gebäude mit ergänzenden Nutzungen errichtet. Die markantesten Bauwerke sind das Restaurant Café Moskau (1961–1964), das Kino International (1961–1963), die "Mokka-Milch-Eisbar" (1961-1964) und das Hotel Berolina (1961–1964), das in den 1990er Jahren abgerissen und durch das Gebäude des Rathauses Mitte wurde. Zu dieser Gebäudegruppe gehören ebenso zweigeschossige Verkaufspavillons, die entlang der Karl-Marx-Allee errichtet worden sind.
Hochhausgruppe an der Holzmarktstraße / Ecke Alexanderstraße; Foto: Andreas Sommerer, MGHS
Hochhausgruppe an der Holzmarktstraße / Ecke Alexanderstraße; Foto: Andreas Sommerer, MGHS
Der ursprüngliche Gebietscharakter einer offenen, aufgelockerten, großräumigen und durchgrünten Stadt ist trotz einiger Eingriffe in den letzten Jahren bis heute erhalten geblieben. Das gesamte Gebiet ist bis heute als städtebauliche Einheit - als Ensemble – erlebbar und stellt ein wichtiges Zeugnis der Städtebaukunst der DDR dar. Der Straßenraum der Karl-Marx-Allee, als Ensemble denkmalgeschützt, ist dabei der bestimmende Stadtraum im Gebiet.

Ziele und Schwerpunkte

Aufgrund der zentralen Lage innerhalb der Stadt, der städtebaulichen Identität und der hohen Wohn- und Freiraumqualität ist das Gebiet bereits heute ein äußerst attraktiver Wohnstandort, den es zu erhalten, zu qualifizieren und weiterzuentwickeln gilt. Dazu sind die vorhandenen funktionalen und städtebaulichen Defizite zu beheben:
  • Der öffentliche Raum ist in Zustand, Gliederung und Organisation unbefriedigend gestaltet: Es besteht Erneuerungs- und Umgestaltungsbedarf im Straßenraum, an öffentlichen Grünanlagen und Spielplätzen, an Wegeverbindungen und Stadtplätzen.
  • Die sozialen Infrastruktureinrichtungen sowie einige Funktionsbauten und weitere Gemeinbedarfseinrichtungen sind erneuerungsbedürftig. Das betrifft die Kita- und Schulstandorte sowie Teile der denkmalgeschützten Gesamtanlage (u.a. Kino International, Ladenpavillons und Geschäftsgebäude).


Mit den zu entwickelnden Maßnahmen wird das Ziel verfolgt, die städtebauliche Eigenart des Gebietes als Ensemble des sozialistischen Städtebaus mit offenen Baustrukturen zu erhalten sowie die Ablesbarkeit von Stadt- und Architekturgeschichte der Nachkriegsmoderne zu bewahren und weiter zu entwickeln.

2014 hat der Berliner Senat die Karl-Marx-Allee (I. und II. Bauabschnitt) sowie die Interbau-Siedlung im Hansaviertel als Beispiele der Nachkriegsmoderne in Ost und West zur Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO vorgeschlagen. Nach Prüfung hat sich die Kultusministerkonferenz gegen eine Berücksichtigung dieser Vorschläge entschieden.

Das Gebiet Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt wurde jedoch 2014 aufgrund seiner kultur- und bauhistorischen Bedeutung und seiner strukturellen Eigenart und Geschlossenheit für das Aufnahmeverfahren in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz ausgewählt. Damit wird das Ziel verfolgt, das Gebiet unter Berücksichtigung sich verändernder Lebensbedürfnisse in seiner Qualität zu bewahren und für die Zukunft weiterzuentwickeln. Mit den Entwicklungen entlang der Holzmarktstraße, an der Alexanderstraße, im Bereich der Jannowitzbrücke, der Otto-Braun-Straße und am Alexanderplatz rückt das Gebiet stärker in den Focus des zentralen Bereichs der Stadt und erlangt aufgrund einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum in Berlin und der im Gebiet in Teilen vorhandenen Wohnungsbaupotentiale verstärkt stadtentwicklungspolitische Bedeutung.

Das Gebiet Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt wurde mit Senatsbeschluss vom 14. Juli 2015 als Fördergebiet in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Im Programmjahr 2016 soll, als eines der ersten Projekte sowie als formale Voraussetzung für die Förderung im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz, ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet werden.

Rechtsgrundlagen


Förmliche Festlegung als Erhaltungsgebiet
  • Erhaltungsverordnung gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB für das Gebiet Karl-Marx-Allee, 2. Bauabschnitt, im Bezirk Mitte von Berlin vom 27.11.2015