Umwelt  

 

Bodenschutz / Altlasten

Nichtstoffliche Belastungen: Flächenverbrauch und Versiegelung


Während neue stoffliche Bodenbelastungen auf Grund zahlreicher Gesetze und Vorschriften sowie des inzwischen gestärkten Umweltbewusstseins deutlich zurückgehen und sich vor allem noch in "Altlasten" aus früheren Umweltverschmutzungen manifestieren, sind die nichtstofflichen Belastungen ein immer noch wachsendes Problem. Im städtischen Bereich sind vor allem Flächenverbrauch und Versiegelung bedeutsam:
 
Immer mehr Landwirtschafts- und Forstfläche, also Nutzungen, die den Boden relativ naturnah belassen, werden in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt (Flächenverbrauch). Diese Umwandlung geht einher mit oft starken Bodenveränderungen und dem Verlust wichtiger Bodenfunktionen, häufig sogar mit einer vollständigen Versiegelung durch Gebäude, Fahrbahnen oder anderen fest abschließende Decke (siehe dazu auch unter "Bodenwelten").
 
Dieser kaum reduzierte Verbrauch beträgt in der Bundesrepublik täglich rund 100 ha und wird jährlich vom Statistischen Bundesamt dokumentiert. 100 ha pro Tag bedeutet, dass auf das Jahr gerechnet etwa die Hälfte der Fläche Berlins in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt wird. Schwerpunkte dieses Prozesses sind die Randzonen und Umlandbereiche der Ballungsräume.
 
Folgen sind schleichende Verminderung der klimaökologischen Ausgleichsfunktion, der Wasserspeicherfunktion, der biotischen Funktionen sowie der Erholungsfunktion stadtnaher Freiräume.
 
Die Dynamik der Veränderung der Bodennutzung wird deutlich, wenn man die Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsflächen näher betrachtet. Der steigende Lebensstandard seit Ende des zweiten Weltkrieges führte zu einer stetigen Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen. Die räumliche Ausbreitung rund um die Ballungsgebiete führt zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auch wegen des zunehmenden Individualverkehrs. Daher entstehen neben den lokalen Immissionen durch mehr Autoverkehr auch mehr globale Belastungen (Treibhauseffekt).

Aus Sicht des Bodenschutzes ist sowohl der Freiflächenverbrauch für versiegelungsintensive Nutzungen (z.B. Siedlungs- und Verkehrsflächen) als auch die Zunahme des Versiegelungsgrades insgesamt eindeutig negativ zu bewerten.
 
Die Versiegelung von Böden hat gravierende Folgen für das Ökosystem Boden. Diese Folgen sind nicht oder nur teilweise reversibel. Vollständig versiegelte Flächen verlieren ihre Funktion als Pflanzenstandort, als Lebensraum von Organismen und als Grundwasserspender und -filter. Bodenversiegelung wirkt sich auf Grund der engen Verzahnung des Schutzgutes Boden mit den Schutzgütern Pflanzen und Tiere, Wasser und Klima auch auf diese negativ aus.
 
Versiegelung des Bodens führt in der Regel zu einem Totalverlust der natürlichen Bodenfunktionen:
  • Verhinderung des Austausches zwischen Bodenluft und Atmosphäre,
  • Änderung von Bodentemperatur und -wasserhaushalt und somit Änderung des Mikroklimas,
  • keine Grundwasserneubildung, erheblich höherer Oberflächenabfluss des Niederschlagswassers,
  • fehlende Filterleistung - Gefahr der erhöhten Schadstoffanreicherung benachbarter Böden und / oder der Vorfluter,
  • Verlust von Vegetationsfläche und Pflanzenstandorten und
  • Isolierung der Bodenlebewesen und Abtötung der schwer regenerierbaren Pilz- und Bakterienvorkommen.
Eine Trendwende bei Flächenverbrauch und Versiegelung herbeizuführen ist zentrales Anliegen des vorsorgenden Bodenschutzes und seiner Maßnahmen.
 
 


 
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
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