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Verkehrssicherheit

Abbiegekonflikte im Fokus
Online-Dialog und Leitfaden für mehr Radverkehrssicherheit


Radfahrer am Großen Stern

Abbiegeunfälle sind keine Ausnahme

Die Unfallstatistiken zeigen es deutlich: Abbiegefehler sind seit Jahren die häufigste Ursache bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung im Berliner Straßenverkehr. Gerade angesichts hoher Unfallzahlen bei Radfahrenden und der zunehmenden Anzahl Radfahrender besteht ein Handlungsbedarf, um Radfahren in Berlin sicherer und damit auch attraktiver zu machen.


Der Online-Dialog "Abbiegen? Achtung! Sicher über die Kreuzung"

Bei der Verbesserung der Radverkehrssicherheit spielt neben der Infrastruktur auch immer der bzw. die Nutzende eine Rolle. Diese Perspektive der Wahrnehmung zur Sicherheit in der Alltagsmobilität zu erfassen und in der Planung/Gestaltung der Infrastruktur zu berücksichtigen, ist bisher methodisch kaum etabliert.

Partizipationspreis zum Online-Dialog

Insgesamt vier Wochen konnten Bürgerinnen und Bürger Ende 2013 auf der Internetplattform www.radsicherheit.berlin.de mitteilen, an welchen Kreuzungen und Einmündungen sie sich persönlich gefährdet fühlen. Der Fokus des Beteiligungsangebotes war hierbei klar auf Abbiegekonflikte mit Radfahrerbeteiligung gerichtet.

Der Dialogprozess war ein neuer Ansatz und hinsichtlich der Beteiligung und der Qualität der Hinweise ein großer Erfolg (mehr als 8.000 Vorschläge und Kommentare, sowie mehr als 22.500 Bewertungen dieser Beiträge). Dies gilt insbesondere auch durch den erzielten Austausch zwischen den am Dialog Teilnehmenden und den methodischen Erkenntnissen zu bestehenden Instrumenten der Verwaltung und der Qualität von Bürgerbeiträgen. Die große Zahl der Beiträge und Bewertungen wurde jetzt thematisch strukturiert und ausgewertet. Als Ergebnis liegt nun ein strukturierter umfangreicher Datensatz, ein Auswertungsbericht, eine TOP-30-Liste der meist genannten Kreuzungen und eine Karte als Abgleich der gemeldeten mit den real erfassten Unfallschwerpunkten vor (siehe Downloadbereich).


Wie geht es weiter?

Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an! Gemeinsam mit der Verkehrslenkung Berlin (VLB), der Berliner Unfallkommission, der Polizei, den Bezirken und der Hauptverwaltung geht es nun darum, die Beiträge wo möglich gemeinsam in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Hierbei wird der Fokus auf die Unfall- bzw. Konfliktschwerpunkte gelegt, die sowohl objektiv Unfallhäufungspunkte darstellen als auch als subjektive Rückmeldungen aus dem Beteiligungsverfahren bekannt sind.

Ein Abgleich der am häufigsten bewerteten Konfliktstellen (TOP-30-Liste) mit den objektiven statistischen Unfallschwerpunkten hat gezeigt: Mehr als 90 % der subjektiv wahrgenommenen Konfliktschwerpunkte sind auch objektive Unfallhäufungspunkte. Der Handlungsdruck ist an diesen Punkten bereits erkannt, so dass in vielen Fällen auch schon direkt Maßnahmen erarbeitet bzw. in naher Zukunft ergriffen werden.

Geprüft wird zusätzlich, wo kleinere, schnelle und preiswerte Pilotmaßnahmen von der farbigen Furtmarkierung bis zu Spiegeln oder Blinklichtern umgesetzt werden können. Eine bereits kurzfristig umgesetzte Maßnahme: Die Informationstafeln der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) mahnen bereits jetzt zum Schulterblick oder weisen auf besonders gefährliche Knotenpunkte hin.

Weiterhin sollen die aus dem Online-Dialog gewonnenen Informationen auch in die Ausbildung von Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern in Berlin Eingang finden (zukünftige Fahrzeugführende von Nutzfahrzeugen) sowie mit den Verbänden (ADFC, BUND, VCD, BVG etc.) u.a. in den Sitzungen des Beratungsgremiums zum Berliner Radverkehr - dem FahrRat - erörtert werden.

Der Status zu den am häufigsten bewerteten Konfliktstellen (TOP-30-Liste) des Online-Dialogs befindet sich mit dem jeweils aktuellen Sachstand im Downloadbereich.


Ein Leitfaden für mehr Radverkehrssicherheit

Gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wird nunmehr der von der Senatsverwaltung initiierte und herausgegebene Leitfaden "Sicher geradeaus – Sicherung des Radverkehrs vor abbiegenden Kfz" zur Verfügung gestellt.
Aufgabe des Leitfadens ist es, Politik und Planung in den Kommunen in Deutschland eine handlungs- und maßnahmenorientierte Entscheidungsbasis zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe der dargestellten, geprüften und bewerteten Ansätze soll die Verringerung der Unfälle, Unfallschäden und Konfliktsituationen zwischen Kfz und Radfahrern während des Abbiegens vorangetrieben werden.

Der Leitfaden "Sicher geradeaus!" widmet sich primär dem Konflikt zwischen geradeausfahrenden Radfahrenden und rechts- bzw. linksabbiegenden Kfz. Er ist vor allem auf innerörtliche Situationen ausgerichtet, wo dieser Konflikt besondere Bedeutung besitzt. Er zeigt Maßnahmen und Aktivitäten mit Schwerpunkt auf den Handlungsfeldern Infrastruktur und Kommunikation auf, die geeignet sind, diesen Konflikt zu entschärfen und damit die Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen. Mit Blick auf den Hauptadressatenkreis der kommunalen Akteure verfolgt der Leitfaden das Ziel einer umsetzungsorientierten Aufbereitung der Maßnahmen.
So werden über die funktionale Beschreibung hinaus auch weitere Hinweise zu den belegbaren Wirkungen, möglichen Umsetzungshemmnissen und zum Kostenaufwand gegeben.


 

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