Wir über uns  

 

Transparente Verwaltung

Was macht eigentlich… die Europacity?


Projektleiter Werner Schlömer gibt allgemeine Informationen zur Europacity am Anfang der Tour.
Projektleiter Werner Schlömer gibt allgemeine Informationen zur Europacity am Anfang der Tour.

Am 3. September 2015 konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Entwicklung der Europacity in unmittelbarer Nähe des Berliner Hauptbahnhofs informieren. Auf einer Tour durch das Areal erklärte Projektleiter Werner Schlömer Planungsgeschichte und Baufortschritt eins der wichtigsten Berliner Entwicklungsgebiete.

An den verkehrsreichen Straßen rund um den Hauptbahnhof ist eine Unterhaltung kaum möglich. Werner Schlömer beginnt die Besichtigungstour im Geschichtspark von Moabit. Hier ist es ruhig. Der Geschichtspark und der Invalidenfriedhof flankieren zwar nur die Europacity, sind aber wunderbare Orte um das Spannungsfeld zwischen Historie und der enormen Veränderung dazwischen zu verdeutlichen. Schlömer ist Stadtplaner und arbeitet in der Senatsverwaltung in der Abteilung Städtebau und Projekte. Hier werden Konzepte und Bebauungspläne (B-Pläne) für Gebiete von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung erarbeitet. Die Europacity ist eins davon. B-Pläne sind das formale Instrument, um das erforderliche Planungsrecht für Neubebauungen in der Stadt zu schaffen. Für die Europacity gibt es einen durch den Senat beschlossenen Masterplan aus dem Jahre 2009 als Grundlage für die weitere Entwicklung.

Planung braucht langen Atem

Schlömer erläutert die 2008 mit einem Wettbewerb beginnende Planungsgeschichte der Europacity und weckt Verständnis für den benötigten langen Atem. Dann kommt er zu den konkreten Planungen: Um den Hauptbahnhof wurden bereits das Gleichrichterwerk der BVG, die Haltestelle der Straßenbahn und das, wie Schlömer findet, architektonisch gelungene Totalhochhaus des Architekturbüros Barkow Leibinger.errichtet. Schräg gegenüber vom neu gebauten Motel One ist mit dem Projekt Grand Central ein weiteres Hotel und ein Bürogebäude in Vorbereitung. Auch am Humboldthafen wird im nächsten Jahr mit einem Wohn- und Geschäftsgebäude an der Invalidenstraße begonnen werden.

"Warum sehen alle Gebäude gleich aus?", fragt ein Gast kritisch. "Diese subjektive Einschätzung ist nachvollziehbar. Der Zeitgeist der Architektursprache spielt sicher eine Rolle. Hätten wir uns z.B. um die Jahrhundertwende getroffen, wären wir auch erstaunt, wie ähnlich viele Häuser ausgesehen hätten. Es gibt in der Europacity keine Vorgaben bezüglich der Gestaltung. Die individuelle Architektur der einzelnen Gebäude wird durch Wettbewerbe entwickelt", erläutert der Projektleiter. "Besonders die Wohnhäuser werden jedoch unterschiedlicher gestaltet sein", fügt er hinzu. Dann setzt sich die bunt gemischte Gruppe mit gelben Warnwesten und Fahrrädern in Bewegung. Der dichte Verkehr spaltet immer wieder die Gruppe.

In Bau

Hinter dem Hamburger Bahnhof (Museum für Gegenwart), neben den Rieckhallen, die temporär für Kunstausstellungen genutzt werden, ist der erste Halt der Tour. Hier herrscht rege Bautätigkeit. Der Stromübertragungsnetzbetreiber 50Hertz errichtet an dieser Stelle seine Firmenrepräsentanz. "Das Unternehmen sorgt dafür, dass die Netze immer eine gleichbleibende Frequenz von 50 Hertz haben", erklärt Schlömer. Das sei extrem wichtig, um überhaupt eine gleichbleibende Stromversorgung aller Nutzer zu gewährleisten, fügt er hinzu. Deshalb befindet sich im Gebäude ein Hochsicherheitsbereich mit Überwachungstechnik. 500 Menschen werden zukünftig hier arbeiten. Schlömer erwähnt auch andere Investoren, wie die Groth Gruppe, die ein Gebäude mit 210 Wohnungen baut oder das Unternehmen Basler & Partner, die ebenfalls mit dem Bau für ein Bürogebäude begonnen haben.

Er gibt auch Hintergrundinformationen, wie zum Beispiel zur Vermarktung der Grundstücke. "Eigentümer des Geländes war ursprünglich der Bund, der verkaufte teilweise seine Vermarktungsgesellschaften. Heute agiert hier die CA Immo als Grundstücksentwickler, ein österreichisches Unternehmen", so Schlömer.

Öffentlich genutzt

Viele Fragen stehen im Raum. Meist zur Entwicklung und Nutzung der öffentlichen Freiflächen, zu Spielplätzen und neuen Brücken. Warum die Heidestraße in ihrer ursprünglichen Lage geblieben sei, fragt ein Mann. "Hätte man die Straße Richtung Westen entlang der Bahntrasse verlegt, hätte die starke Lärmbelästigung dort Wohnungsbau verhindert und die Straße hätte keinen urbanen Charakter bekommen können", erläutert der Projektleiter. "Die Heidestraße wird zu einem integrierten Boulevard mit deutlich verbesserten Aufenthaltsqualitäten ausgebaut und bis Mitte 2016 fertiggestellt werden", ergänzt er.

Die Gäste radeln die Uferpromenade weiter Richtung Norden. Die gegenüberliegende Promenade soll bis Ende 2017 mit Fördermitteln für touristische Infrastruktur (GRW) fertig gestellt sein. Der nächste Halt der Tour befindet vor dem Invalidenfriedhof. "Ursprünglich waren zwei Brücken über den Kanal vorgesehen", meint Schlömer und deutet auf seinen Plan. Wie schwierig es höhenmäßig ist, den Anschluss zwischen Brücke und Uferpromenade zu realisieren, zeigt er hier. "Das Wasserschifffahrtsamt fordert eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern und gleichzeitig muss die Brücke barrierefrei erschlossen werden. Eine unerfreulich lange Rampe ist die Folge", erläutert Schlömer den Konflikt.

Offenes Ende

Vorerst wird es eine Fußgänger- und Radfahrbrücke weiter im Norden gegenüber dem geplanten Stadtplatz geben. Hier unterbrechen die Gäste ein weiteres Mal ihre Tour. Der Höhenunterschied ist an dieser Stelle kein Problem. Vom Wasser aus führen bereits mehrere Stufen auf das höher gelegene Ufer. Die Brücke, mit ca. 2,7 Millionen Euro Fördermitteln finanziert, ist das Ergebnis eines Wettbewerbes. Die Fertigstellung soll, wie auch bei der Promenade, bis Ende 2017 erfolgen.

"Wie es mit dem ehemaligen historischen Kornversuchsspeicher weitergeht und der gesamten westlichen Bebauung ist noch nicht abschließend gesichert", meint Schlömer und deutet auf die Grundstücksbrachen auf der anderen Seite des Kanals.

Es gäbe noch viel zu berichten, aber die Zeit reicht an diesem Nachmittag nicht aus. Schlömer verteilt Visitenkarten an die Gäste, falls es weitere Fragen gibt. Eine Frage wird er jedoch auch zukünftig nicht beantworten können, wann das Areal komplett bebaut sei. "Wenn die Konjunktur weiter so gut verläuft, könnte bis zum Jahr 2020 der größte Teil bebaut sein. Bei Projekten dieser Größenordnung lässt sich das aber nicht verlässlich prognostizieren", meint er.

Mit Plänen ausgestattet erläutert der Projektleiter die Planungsgeschichte.
Mit Plänen ausgestattet erläutert der Projektleiter die Planungsgeschichte.

Mit dem Fahrrad starten die Gäste in die Europacity nahe des Berliner Hauptbahnhofs.
Mit dem Fahrrad starten die Gäste in die Europacity nahe des Berliner Hauptbahnhofs.

Der erste Halt der Tour ist hinter dem Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof.
Der erste Halt der Tour ist hinter dem Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof.

Die Ausstellungen in den Rieckhallen gehören zum Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof.
Die Ausstellungen in den Rieckhallen gehören zum Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof.

Für die Tour konnten Gäste auch Fahrradrikschas benutzen.
Für die Tour konnten Gäste auch Fahrradrikschas benutzen.

Das Unternehmen 50 HZ feiert bereits Richtfest. Die Fassade symbolisiert die Netzfrequenz des Stromübertragungsnetzbetreibers.
Das Unternehmen 50 HZ feiert bereits Richtfest.
Die Fassade symbolisiert die Netzfrequenz des Stromübertragungsnetzbetreibers.

Die Baukräne zeigen die rege Bautätigkeit.
Die Baukräne zeigen die rege Bautätigkeit.

Auf einigen Bauflächen mussten Altlasten entsorgt werden.
Auf einigen Bauflächen mussten Altlasten entsorgt werden.

Detailinformationen gab es vor dem Invalidenfriedhof.
Detailinformationen gab es vor dem Invalidenfriedhof.