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Diskussionsbeitrag | 07.11.2005 | 20:46 | Maichel

Diskussionsbeitrag Wenn der Schwanz mit dem Elefanten wedelt...

Fangen wir nicht damit an, erste Ausgrenzungen vorzunehmen, Gebiete abzustecken und unsere Feindbilder zu pflegen. So wenig wie der Park ohne Kinder denkbar ist, so wenig wird der Park ohne Hundenutzung stattfinden.

Es ist wirklich schön zu beobachten, wenn aus sich Einer aus der anonymen Masse erhebt und zum Sprachrohr der schweigenden Masse wird. Dank Stephan H. wissen wir also endlich, was aus dem Gleisdreieck werden soll: ein hunde- und (was der Autor geflissentlich unter den Tisch fallen lässt) fahrradfreier Park im Stil des Britzer Gartens.

Danke, das hat Kreuzberg wirklich gebraucht: Grölende Horden von Kindern, die mit ihren eis- und keksverschmierten Pfoten alle Sitzbänke voll schmieren und hinter den Spielplatz kacken, weil es nach Hause doch ein bisschen zu weit war... Und so beliebte Veranstaltungen wie Staudenmärkte, Handarbeitsvorführungen und Sitztango-Turniere locken tausende von Frührentnern und Pensionären ans Gleisdreieck!

(ACHTUNG Moderation. DAS WAR IRONISCH GEMEINT. Ansonsten ist alles aber political correct im Text! Ich liebe Kinder, schließlich war ich einmal selbst eines. Und Rentner mag ich natürlich auch.)

Mein lieber Stephan H., mit Vorurteilen kommen wir hier nicht weiter. Erst recht nicht, wenn man sich den Anstrich eines konstruktiven Mitstreiters gibt, der die schweigende Masse sich hinter sich wähnt und auf der Metakommunikationsebene nur Plattitüden reproduziert.

Wenden wir uns lieber etwas Konstruktivem zu, einem möglichen Konglomerat der verschiedenen Interesssen. Tatsache ist, dass Erholungssuchende, Kinder, Jugendliche. Erwachsene, Sporttreibende und Hundebesitzer als Nutzer einen Anspruch auf den Bürgerpark stellen. Wie Stadtrat Schulz anlässlich der Freigabe des ersten Park-Abschnitts betonte, soll das Gleisdreieck ein Bürgerpark werden und alle Bürgerinteressen vertreten.

Fangen wir nicht damit an, erste Ausgrenzungen vorzunehmen, Gebiete abzustecken und unsere Feindbilder zu pflegen. So wenig wie der Park ohne Kinder denkbar ist, so wenig wird der Park ohne Hundenutzung stattfinden. Dafür sind die Hundeliebhaber einfach viel zu umtriebig, um sich hierbei mal ebenso ausschließen zu lassen.

INTEGRIEREN STATT AUSSONDERN. Nur so kann das Motto lauten. Aktuell wird das Gleisdreieck von den Hundebesitzern und von Kindern genutzt, selten von Spaziergängern. Meine Idee setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der verschiedenen Nutzergruppen, die ihren Teil wunschgemäß gestalten können und eine Kontrollfunktion ausüben.
1. So widmet sich die Kirchengemeinde - wie bereits geschehen – dem Spielplatz und gestaltet ihn naturnah nach ihren Wünschen .
2. Die Hundehalter gründen einen Verein, der sich um einen Auslaufplatz mit Tunnel und kreativen Spielgeräten kümmert. Stichwort: Hundesport und Agility!
3. Für Jugendliche, die hier in der Gegend kaum einen Platz haben, entsteht eine Halfpipe und Möglichkeiten zum Skaten – betrieben von einem Jugendprojekt. (Von ihren Interessen ist bisher nichts zu hören und lesen gewesen. Warum eigentlich?)
4. Ein Großteil der Bahngleise bleibt bestehen und wird ähnlich wie beim Südpark in ein gesamtes Gartenkonzept integriert.
5. Aus einem Stellwerkshäuschen entsteht ein Caférestaurant mit Biergarten (Zugang auch von der Yorckstraße).
6. Eine Freilichtbühne entsteht, auf der kleine Konzerte, Lesungen und Poetry-Slam gegeben werden. Verantwortlich zeichnet eine Kulturinitiative.
7. Für alle, die eine ruhige Kugel schieben wollen, entsteht ein Boule-Areal.

Lasst uns die Chance nutzen und zeigen, dass Visionen eines kreativen und toleranten Miteinanders ihren Ursprung in Kreuzberg haben. Der Rest der Welt schaut nach 61!
Shalom, Maichel


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Kommentare
halte auch wenig von BuGa
(Kommentar von Sandro 08.11.2005 | 13:05)
Ja, bin ich so ziemlich Deiner Meinung. Ich halte auch wenig davon, "noch so einen" Britzer Garten zu erschaffen. Das ist doch gerade die Herausfroderung- es sollen doch gerade alle (oder wenigstens möglichst viele) unter einen Hut gebracht werden!
Wer ist den hier der Schwanz?
(Antwort von Stefan Golm 08.11.2005 | 20:37)
Dann schau Dich doch bitte mal im angrenzenden Nelly-Sachs-Park um. Den dortigen, in der Mitte des Parks gelegenen Spielplatz ohne Hundescheiße an den Schuhen bzw. Kinderwagen- und Dreiradrädern zu erreichen ist schon echt eine Kunst. Natürlich ist es nicht die Schuld der Hunde, dass die ihre Hinterlassenschaft da fallen lassen, wo es ihnen gerade passt. Aber anscheinend kapieren die meisten Besitzer der lieben Vierbeiner nicht, dass man die Sch..... dann eben auch wegmachen sollte. Wenn man sie daraufhin anspricht, hat man Glück, wenn man nicht den Hund auf den Hals gehetzt kriegt. Auch bei den Rundgängen bzw. -fahrten mit dem Kinderwagen übers Gleisdreieckgelände letztes Wochenende war man ja fast mehr damit beschäftigt nach unten zu schauen als die Landschaft zu genießen. Jetzt kann man natürlich sagen: "Armer Idiot, kann gar nichts genießen", aber wer ein paar mal Hundescheiße aus Kinderschuhen bzw. von den Kinderwagenrädern gekratzt hat, versteht was ich meine. Mir sind eisverschmierte Kinderhände da eben tausend mal lieber!


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Von: Maichel

07.11.2005 | 20:46
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