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Diskussionsbeitrag | 07.11.2005 | 22:15 | Mel

Diskussionsbeitrag Warum alles immer gleich "nutzen" ?

Wo darf in Berlin Grün einfach Grün bleiben?

Wenn in Berlin über "Nutzen" von Brachflächen gesprochen wird, heisst es meistens: Versiegeln in irgendeiner Art (Gehwege, Häuser, was auch immer), Regeln (mit Hunde, ohne Hunde, mit Grillen, ohne Grillen) und hohen Kosten (fürs Pflastern und vor allem Pflege des Ganzen und Wiederherstellung). Jede öffentliche Investition wäre also ein weiterer, laufender Kostenfaktor für das arg gebeutelte Berlin und eigentlich immer Gegenstand von Vandalismus. Das besonders beliebte "Privatisieren" bedeutet in der Regel "Noch mehr Versiegeln" und zudem mit überflüssigen Bau- und Investitionsruinen wie Hotels, Büro- und Gewerbzentren sowie Alterswohnstätten.
Aber einfach mal eine Brachfläche an sich zu erhalten ist für Berlin unvorstellbar - wie sieht das denn aus? Dabei besteht die Verkehrssicherungspflicht so oder so - warum also bitte nicht einen massiven Zaun drumrum setzen damit nicht irgend jemand von irgend einem Baum belästigt wird und die Stadt gleich verklagt und Brache einfach Brache sein lassen. Labelts meinethalber als "Zeitkapsel" oder "Technikdenkmal" und präsentiert es als Kunstobjekt...aber lasst doch Natur einfach mal sich selber sein....ohne Gehwege, Häuser, Menschen, Hunde und einfach nur mal mit den vielleicht letzten raren Arten der Stadt. Alle 5 bis 10 Jahre schickt's ein paar Biologen zur Bestandsaufnahme rein und seid begeistert, was und wie es sich da ändert...und wenn in Folge des Bewuchses rare Solitärwespen verschwinden sollten - lasst es geschehen und wartet ab; wer weiß, wer sich dann im nachkommenden Buschwerk heimisch machen wird. Aber warum nicht einfach mal ein paar qm der Stadt "nutzlos rumgammeln lassen" - ein Stück ungehemmte Natur inmitten einer durchorganisierten und geregelten Stadt inmitten eines ebensolchen Landes.


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Kommentare
klingt nett, aber...
(Kommentar von Sandro 08.11.2005 | 12:34)
Es klingt natürlich auch sehr nett, einfach alles in die Hände der "Natur" zu übergeben, allerdings ist das wirklich auch nicht ganz risikofrei. Hier eine vollständige Diskussion über Ökosysteme niederzuschreiben würde wohl etwas ausufern, aber aus der Forstwirtschaft weiß ich, dass auch sogenannte "Referenzflächen", auf denen nichts mehr bewirtschaftet wird, unter Umständen sehr gefährlich werden können für umliegende Flora und Fauna. Macht sich hier nämlich erst eine invasive Art breit (Lieblingsbeispiel der Forstwirtschaft: die spätblühende Traubenkirsche), machen Vöglein und Käferchen auch nicht an der Grenze der Referenzfläche halt, sondern verbreiten die Samen auch weit darüber hinaus... Die romatische Vorstellung vom selbsterhaltenden Ökosystem gibt es also so gut wie gar nicht mehr (in Berlin). Natürlich kommt es auch immer auf den Hintergrund an. Will man das derzeitige Ökosystem erhalten? Dann muss das Habitat gepflegt werden.
Sicherlich ist es auch spannend (zumindest für einige von uns ;) ), einfach nur zuzuschauen, wie die Natur Bereiche "zurückerobert". Allerdings braucht man auch dann im Vorab eine klare Zielsetzung: Was passiert, wenn einzelne Arten sich breitmachen? Will man dann eingreifen, oder trotzdem alles sich selbst überlassen? Und ist ein verhältnisweise "kleines Fleckchen" mitten in der Stadt überhaupt ohne Hilfe selbst tragfähig? Und was ist "natürlich"? Mir fällt gerade kein anderes Beispiel ein, aber damit meine ich so was wie: Wenn jemand ein Goldfischpärchen in einem ehemalig selbsttragenden Ökosystem aussetzt, und diese sich dort ungezügelt vermehren, alle Pflanzen und Wasserflöhe fressen, die auch so wichtig für die Wasserqualität sind- würde man da eingreifen, oder nicht?
Aber ums mal ein bißchen philosophisch auszudrücken, denke ich, dass man Natur auch Nutzen kann, ohne sie zu übernutzen. Vielleicht kann man ja eine Fläche wirklich ganz ursprünglich erhalten, aber ich wäre schon dafür, dann eine jährliche Vegetationsaufnahme zu machen. Da hätte ich auch schon wieder eine Idee- war im Sommer gerade im Rahmen eines "taxonomisch- ökologischen Praktikums" (studiere Bio) in MeckPom- vielleicht wär's ja auch möglich, dass die HU da mal ein paar ihrer Biostudenten freistellt...?!
sehr vernünftiger Einwand!
(Kommentar von Maichel 08.11.2005 | 18:57)


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07.11.2005 | 22:15
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