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Diskussionsbeitrag | 11.11.2005 | 14:24 | antiScharoun

Diskussionsbeitrag Stadt statt noch eines Stadtparks

Berlin ist ein einziger Park. Wenn Berlin endlich eine richtige Metropole werden möchte, muß auch Großstadt gebaut werden.

Wie keine andere europäische Metropole ist Berlin mit Klettergerüsten, Parkbänken und Grillwiesen überzogen. Jede vorhandene Baulücke oder Brachfläche ist ein weiterer potenzieller Park. Man kann sich kaum 500m durch die Innenstadt bewegen ohne nicht das nächste "Naherholungsgebiet" im Blickfeld zu haben. Es ist ja kein Wunder, daß in Berlin eine reine Freizeitgesellschaft heranwächst.

Dabei sind schon die vorhandenen Parkanlagen z.T. in einem wenig wünschenswerten Zustand. Die repräsentativen Teile werden dabei wenig respektvoll behandelt: Durch die Bellevueallee ziehen im Sommer Rauchschwaden und sie ist mit Klappmöbeln vollgestellt, vor dem Reichstag muß man unbedingt Fußball spielen... - Die freizeittauglichen Flächen des Tiergarten hingegen sind oft in einem so verwilderten oder ungepflegten Zustand, daß sich dort niemand aufhalten möchte. Stattdessen verteilt man sich über die vielen kleinen Parks und Plätze und zerstört auch den letzten Anschein, daß Berlin eine geschäftige Großstadt sein könnte.

Viele Metropolen haben einen großen zentralen Stadtpark, der klar von der bebauten Fläche abgegrenzt ist und so einen reizvollen Kontrast zur Architektur bildet. Sehr gelungene Beispiele sind Hyde Park, St. James' Park und Central Park. In anderen Großstädten sind Grünflächen eng mit architektonischen Anlagen verbunden, wie etwa in der Umgebung der Hofburg in Wien oder des Louvre in Paris.

In Berlin hingegen wird jede unförmige Freifläche zum Park gemacht. Der vorhandene Tiergarten aber wird in seiner schönen Gestalt gar nicht wahrgenommen, weil er an den Rändern ausgefranst ist - in schlimmster 50er-Jahre-Manier in die Stadt hineingezogen wird. Kaum attraktive Architektur befindet sich an seinem Rand. und der Parkbeginn wird weder durch einen Zaun o.ä. markiert, noch öffnet er sich einladend zur Stadt. Stadtdessen guckt man vom Botschaftsviertel und vom Potsdamer Platz aus auf ein wildes Gestrüpp.

Anstatt also noch eine Grünanlage gewaltigen Ausmaßes in unmittelbarere Nähe zu diversen anderen ebensolchen zu schaffen, sollte man auf dem Gelände des Gleisdreieck die Möglichkeit nutzen, Schöneberg und Kreuzberg zu verbinden und echte Stadt zu bauen: kein minutiöser Masterplan, sondern einfache Parzellierung, Blockrandbebauung, Freigabe der Traufhöhe. Im Gegenzug könnte vorhandene Grünanlagen aus ihrer Spießigkeit befreit und echte Erholungsflächen geschaffen werden.


Kommentare

(Kommentar von antiScharoun 12.11.2005 | 20:03)
haben sich schon alle so auf eine reine parknutzung eingeschossen?
Die Gedanken sind frei
(Kommentar von Ralf 12.11.2005 | 22:36)
Klar, jeder kann ja denken was er mag. Nur leider sind sie wohl wirklich allein mit ihrer Meinung. L.G. Ralf
Keine Sorge,
(Kommentar von Tosch 13.11.2005 | 00:20)
gebaut wird da noch jede Menge, z.B. dort wo der Beachvolleyball ist. Aber das Rezept hat was. Einfach alle hässlichen Parks mit Hochhäusern überbauen. Das ist es!


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Von: antiScharoun

11.11.2005 | 14:24
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