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Diskussionsbeitrag | 13.11.2005 | 00:01 | Krichbaum

Diskussionsbeitrag So viel...



Liebe Wiepke van Aaken,

spät ist es schon, der Online-Dialog endet gleich und ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Anregungen, Wünsche und Erwartungen, die diese Bürgerbeteiligung aufwirft.

Ich glaube, dass das Gleisdreieck für all die Freiräumlichkeitsbedürfnisse in Verbindung mit der Vielfalt der Nutzerwünsche ein schwieriges Gelände ist. Ich möchte versuchen, einige der Ansätze, die ich im Rahmen meines städtebaulichen Diploms zum Gleisdreieck für mich formuliert habe, transparent zu machen:

1. Flottwellpromenade
Die Stadtkanten Lützowstraße/Pohlstraße zur Flottwellstraße sind ausgefranst, die Straßenzüge laufen aus in unbebauten Grundstücken. Gerade am Nadelöhr des zukünftigen Parks sind Bauflächen jenseits dieser Brachen geplant. Allein die Fläche, die am Ende der Lützowstraße liegt ist großzügig, da auch die Fa. Elsner Druck den Betrieb eingestellt hat. Die mögliche Baufläche verdoppelt sich beinahe. Es stellt sich die Frage, ob nicht zugunsten eines großzügigen Nord"portals" des Parks die Bebauung auf die westliche Seite der Flottwellstraße verlagert werden könnte, zumindest schwerpunktmäßig. Ansonsten stellt sich für mich die Frage, ob hier nicht die Gefahr einer Abschottung gegenüber der vorhandenen Stadt-und Sozialstruktur stattfinden könnte, was im Übrigen auch auf die übrigen Baufelder zutreffend ist.

Umfahrung:
Alle Anlieger des westlichen/östlichen Parkbereiches müssen diesen heute sehr verkehrsbelastet umfahren. Eine attraktive Nord-Südverbindung ist sicherlich weitaus barrierefreier herzustellen. Vor dem Hintergrund der Geschichte und aktuellen Nutzungsstruktur des Gebietes (ICE-Trasse, Gleisfreihaltungsflächen etc.) wird es viel schwieriger sein, sinnfällige und vorallem (kostenmäßig)realisierbare Ost-Westverbindungen umzusetzen. Gerade diese Verbindungen sind jedoch für eine nachhaltig positive Stadt-entwicklung wichtig. Die überregionale Attraktivität und Anziehung des Gleisdreiecks steht außer Frage, doch eines der primären Planungsziele sollte auch die Verknüpfung zweier Stadtquatiere sein, die Potentiale besitzen, aber auch von Substanzverlust bedroht sind. Eine qualitativ hochwertige exklusive Bebauung am Park wird diese Strukturprobleme sicher nicht lösen können.

Wie ich bereits eingangs sagte, ist die Vielzahl der Beiträge beeindruckend. Ich glaube, dass es nach viel planerischem Geschick verlangt, um eine dem Ort angemessene Gestaltungssprache zu finden. Eine Sprache, die zum Einen die Geschichte des Gleisdreiecks reflektiert, aber zum Anderen einfache Mittel findet, um unprätentiös Atmosphären für vielfältige Nutzer schaffen.

Liebe Wiepke, mir läuft die Zeit davon. Wie ich in unserem Telefonat versprochen habe, bleiben wir in Kontakt über meine Arbeit, die sich vorallem damit beschäftigen soll, wie mögliche Bebauungsstruktur und Park in Dialog treten können, ohne dass elitäre Wohnquartiere mit "parkview" entstehen. Ich glaube, dass die anliegenden Bezirke andere Potentiale und Bedürfnisse haben, denen ich hoffe, auf die Spur zu kommen.

Für heute jetzt vielen Dank für das Gehör und hoffe, wir hören uns bald wieder.

Herzliche Grüße
Anja Krichbaum-Nölken


Info zum Artikel
Von: Krichbaum

13.11.2005 | 0:01
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