Städtebau  
 

Nichtoffener Realisierungswettbewerb für Architekt/innen als Generalplaner/innen mit
Tragwerksplaner/innen, Fachplaner/innen für Technische Ausrüstung sowie Ausstellungs­gestalter/innen mit anschließendem Verhandlungsverfahren nach Vergabeverordnung (VgV)
"Flughafengebäude Tempelhof - Geschichtsgalerie auf dem Dach, Berlin Tempelhof-Schöneberg"

Ergebnis: Anerkennung


Anerkennung:
18.000,- Euro
  Nieto Sobejano Arquitectos GmbH, Berlin
Verfasser/in: Nieto Sobejano, Patricia Grande Andueza
Mitarbeit: Anna Arpa, Lucas Schäffer, Conrad Speckert,
Oliver Hasselbach, Bastian Schubert

Tragwerksplanung:
Happold Ingenieurbüro GmbH, Berlin
Verfasser/in: Paul Rogers
Mitarbeit: Martin Elze

Ausstellungsgestaltung:
Tamschick Media + Space, Berlin
Verfasser/in: Charlotte Tamschick,
Jan Imberi, Ralf Baehren



Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Verfasser entwickeln die architektonische Konzeption konsequent aus ihrer Ausstellungsidee. Die Besucher sollen von unterschiedlichen Orten der Geschichtsgalerie über den hypothetischen Mittelpunkt des runden Flughafengebäudes peilen und Orte auf dem Flugfeld oder in der Stadtsilhouette in den Fokus nehmen. Dort wo die Besucher stehen vermittelt die Ausstellung dann Informationen zum angepeilten Objekt. Die Ausstellung soll also keiner kontinuierlichen Informationsvermittlung folgen, sondern die Einbeziehung des Besuchers fordern und ihn so in Bewegung halten. Als baulich-metaphorische Umsetzung dieser Bewegung sind zwei fahrbare Besucherplattformen geplant, die zwischen Kopfbau West und zentralem Bauteil B entlang der Geschichtsgalerie die Position ändern können.

Diese beweglichen Rollwagen sind die Kernidee des Entwurfs. Sie sind mittels manueller Bedienung durch die Besucher „interaktiv gedacht und wollen durch ihre Beweglichkeit das „Verändern des Blickwinkels evozieren. Dem entsprechen die mäandernden Rundum-Projektionen im TT 4. In der Galerie selbst, die baulich sehr zurückhaltend überarbeitet werden soll, stellen Projektionsflächen, Vitrinen und vergleichbare Ausstellungsobjekte das Mittel zur Erschließung dar.

Der Eingangsbereich ist entschieden zu klein gedacht: weder Information, Ticketcounter, Wartezone oder Garderobe finden hier Platz. Die Sanitäranlage im 2. OG ist betrieblich falsch platziert.

Die verschiebbaren Ausstellungsplattformen sind als leichte Stahlkonstruktionen mit Glasbrüstungen vorgesehen: da sie die Dachfläche auf der halben Länge befahren sollen, entsteht die Notwendigkeit, die Dachkonstruktion auf ca. 650 m Länge zu verstärken. Die Geschichtsgalerie soll als leichte Stahlkonstruktion auf die bestehende Abdichtung aufgeständert werden und wird im Laubengang angeordnet, der bereits für 5,0kN/m² Nutzlast konstruiert ist.

Das Preisgericht würdigt den schlüssigen und mutigen Ansatz. Sie schätzt die fahrbaren Plattformen aber weniger, weil sie der Argumentation der Verfasser folgt, sondern weil die beweglichen Flächen die Möglichkeit schaffen, in einer stufenweisen Umsetzung der Maßnahme veränderliche Besucherschwerpunkte zu bilden. Aufgrund des großen konstruktiven Aufwands stehen die Plattformen aber in einem Missverhältnis zu der dadurch zu erwartenden räumlich-architektonischen Qualität.

Die gewählte Materialität der Fassade aus weißen Sichtbetonelementen mit sensibler, horizontaler Fugenausbildung kann überzeugen. Dem gegenüber wurden die eher rigiden Fassadenöffnungen aus gleichgroßen, quadratischen Fenstern, die nicht auf die differenzierte räumliche Nutzung eingehen, kritisch diskutiert. Die Fenster sind zudem ohne Lüftungsflügel konzipiert und in dieser Form nicht realisierbar. Erhebliche Probleme werden beim Konzept des zweiten baulichen Rettungsweges im 2. und 3. OG gesehen, der in der vorgeschlagen Form überarbeitet werden müsste.

Vom Preisgericht positiv herausgehoben wird die industrielle Ästhetik der Geschichtsgalerie, die sich gelungen vor den Baubestand legt, ohne diesen zu überformen. Der Entwurf wurde aus einem inspirierenden Ansatz heraus gestalterisch gekonnt entwickelt, geht jedoch deutlich über die Zielsetzungen des Auslobers hinaus.

Perspektive
Perspektive

Perspektive
Perspektive

Grundriss Dachebene
Grundriss Dachebene

Schnitt
Schnitt

Treppenturm 4 EG
Treppenturm 4 EG

Treppenturm 4 OG
Treppenturm 4 OG