Städtebau  
 

Nichtoffener Gestaltungswettbewerb für Arbeitsgemeinschaften aus Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten, professionellen Künstlerinnen und Künstlern und/oder Gestaltern und/oder Schriftgestaltern und/oder Typographen mit vorgeschaltetem, offenem Bewerberverfahren
"Begräbnisstätte und Erinnerungsort auf dem Friedhof Altglienicke, Berlin Treptow-Köpenick"

Ausschreibung


Anlass und Ziel

Auf dem Friedhof Altglienicke im Bezirk Treptow-Köpenick ruhen in der Abteilung U1 / U2 die Urnen von über 1.360 Opfern nationalsozialistischer Gewaltmaßnahmen. Bei diesen Toten handelt es sich überwiegend um Opfer aus Konzentrationslagern und Tötungsanstalten (Patientenmorde im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“- Programms). Bisher gibt es keine namentliche Nennung der dort ruhenden Verstorbenen. Ein zentrales Anliegen des Wettbewerbs ist es deshalb, die Anonymität der Opfer aufzuheben und alle Namen und Lebensdaten in geeigneter Form vor Ort anzubringen. Auch sollen die Besucherinnen und Besucher des Friedhofs über die damaligen Ereignisse informiert werden.

Die Besonderheit der Grabstelle U1 / U2, nämlich die sammelgrabartige Urnenbestattung in großer Menge und kürzester Zeit von 1940 bis 1943, verdeutlicht hierbei den Kontext zu den damaligen geschichtlichen Ereignissen. In den ersten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs erfolgten nämlich allgemein zunächst durchaus noch reguläre Urneneinzelbestattungen von Opfern aus Konzentrationslagern und Tötungsanstalten. Erst gegen Ende des Krieges wurden Aschen zunehmend ungeordnet, zunächst in Sammelgräbern und später als Massengrab zum Beispiel in Gruben oder Gewässern verbracht.

Seit etwa 2015 gibt es verstärkte Bemühungen unterschiedlicher Institutionen, Einrichtungen, Angehöriger und interessierter Bürgerinnen und Bürger für die auf dem Grabfeld U1 / U2 auf dem Friedhof Altglienicke ruhenden Opfer ein würdiges Totengedenken zu ermöglichen.

Das Grabfeld war bisher wenig in der öffentlichen Wahrnehmung hervorgetreten. Der schon historisch stadträumlich recht abseits gelegene Friedhof war durch die Lage im DDR-Grenzgebiet nochmals stärker isoliert worden. Von offizieller Seite wurde etwa 1950 ein aus heutiger Sicht recht minimaler, zusammenfassender Gedenkstein eingerichtet. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde der Geltungsbereich des Gesetzes über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz) auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Für die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurde danach auch dort die Umsetzung der gesetzlichen Verpflichtung, die Gräber dauerhaft einzurichten und die Opfer mit Namenstafeln kenntlich zu machen, systematisch angegangen.

Mit dem Gräbergesetz verbunden ist eine hohe moralische Verpflichtung. Es dient dazu, den Opfern der Gewaltherrschaft in besonderer Weise zu gedenken und ihnen eine würdevolle Ruhestätte anzulegen. Es soll für nachfolgende Generationen die Erinnerung daran wach gehalten werden, welche schrecklichen Auswirkungen Krieg und Gewaltherrschaft haben.

Die Grabstelle auf dem Friedhof Altglienicke soll Hinterbliebenen ein angemessenes Trauern ermöglichen. Auch gemeinsames Erinnern und Gedenken wird durch eine gekennzeichnete Grabstelle befördert – der Friedhof dient auch als Lernort für Schülerinnen und Schüler sowie geschichtlich Interessierte.

Auf Grund der hohen Anzahl polnischer Opfer (etwa ein Drittel der dort ruhenden Opfer) gibt es ein großes Interesse für diesen Ort bei den polnischen Partnergemeinden, Initiativen und Hinterbliebenen. Insbesondere eine Anzahl von Priestern unter diesen Opfern erfährt von polnischer Seite Trauerbesuche und Totengedenken.

Ziel des Gestaltungswettbewerbes ist es, den gesetzlichen und moralischen Auftrag in hoher Qualität und mit angemessenen künstlerischen und landschaftsarchitektonischen Ausdrucksformen umzusetzen. Der besonderen Verantwortung für das Erinnern und Gedenken ist daher durch die gewählten Gestaltungsmittel Rechnung zu tragen.