Bauen  

 

Ökologisches Bauen - Ökologische Gesamtkonzepte / Ökologische Bausteine

Baustein Wasser


Baustein Wasser - Beispiele; Fotos rechts unten: T. Ulrich
 
Dem Schutz und dem Erhalt des Grundwassers und dem effizienten Einsatz von Trinkwasser ist Rechnung zu tragen. Die Stoffeinträge in die Gewässer aus Schmutz- und Regenwasser sind zu vermeiden und/oder zu minimieren.

Das Regenwasser soll den örtlichen Gegebenheiten entsprechend im Gebiet möglichst vollständig zurückgehalten werden. Die Einleitung in die Kanalisation ist zu vermeiden. Beim Neubau oder Umbau von öffentlichen Bauten und bei öffentlich geförderten Baumaßnahmen ist für Nutzungsbereiche, in denen Trinkwasserqualität nicht zwingend erforderlich ist, der Einsatz von Betriebswasser aus Regenwassernutzungs- oder Grauwasser­recycling­anlagen zu prüfen.

Trinkwassereffiziente Installation

Anforderungen an Materialien und Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser

Regenwasserbewirtschaftung

Das Thema Regenwasserbewirtschaftung ist im urbanen Raum von besonderer Bedeutung. Empfehlungen für die Umsetzung einer integrierten Regenwasserbewirtschaftung am Beispiel von Berlin wurden im Rahmen des Projektes KURAS erarbeitet.

"Regenwasserbewirtschaftung bezeichnet alle Maßnahmen des Umgangs mit Niederschlagswasser auf den Ebenen Gebäude, Quartier und dem Einzugsgebiet der Stadtentwässerung ... Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung bewirtschaftet die Niederschläge dort, wo sie anfallen, den örtlichen Gegebenheiten entsprechend durch geeignete Maßnahmen und führt sie vorrangig wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zu. Hierzu ist das Niederschlagswasser möglichst im Gebiet zurückzuhalten und zu verdunsten (z.B. künstliche Wasserflächen, Gebäudebegrünung), zu nutzen (als Betriebswasser) und/oder über die belebte Bodenschicht zu versickern."

Bei umfassenden Sanierungen von Gebäuden und bei Neubauten im Zuständig­keits­bereich des Landes Berlin sind die Maßnahmen der Regenwasser­bewirtschaftung durch den Leitfaden für Wirtschaftlichkeits­untersuchungen zur Bewertung von Maßnahmen der Regenwasser­bewirtschaftung zu bewerten.

Im Arbeitsblatt 1 sind Vorschläge zu nichtmonetären Projektzielen dargestellt, die in Zusammenarbeit mit den Eigentümern, Nutzern, zuständigen Fachbehörden und ggf. weiteren Experten festzulegen sind. Damit können die unterschiedlichen Effekte der vorgesehenen Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen in Ihrem Nutzwert im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden.

Bestands- und Potentialanalysen begrünter Dächer sollen wichtige Aussagen zu deren Möglichkeiten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung aufzeigen.

Niederschlagswasserentgelt

"Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) leiten im Rahmen der Leistungsfähigkeit ihrer Entwässerungsanlagen Abwasser von Grundstücken und Straßen ab und reinigen es, soweit erforderlich...." [1]. Die Entwässerung erfolgt im Trennverfahren (Schmutzwasserkanal und Niederschlagswasserkanal) oder im Mischverfahren (Schmutzwasser und Niederschlagswasser in einem Kanal).

Bis Ende 1999 wurde das häusliche Abwasser und Niederschlagswasser über ein einheitliches Entgelt (4,85 DM/m3) abgerechnet, dessen Basis die gelieferte Trinkwassermenge war.

Seit dem 1.1.2000 erfolgt in Berlin eine getrennte Abrechnung von häuslichem Abwasser (Schmutzwasser) und Niederschlagswasser. Das Entgeltsplitting wurde u.a. aus rechtlichen Aspekten erforderlich. Das Bundesverwaltungsgericht hat in verschiedenen Rechtssprechungen entschieden, dass die Einführung getrennter Entgelte notwendig wird, wenn die Kosten der Niederschlagswasserbeseitigung mehr als 12% bzw. 15% an den Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung betragen. In Berlin lagen die Kosten deutlich über 15% [2]. Der Wasserverbrauchsmaßstab war damit nicht für die Verteilung der Kosten der Niederschlagsentwässerung geeignet.

Die Schaffung des verursachergerechten Abrechnungssystems führt zu mehr Gerechtigkeit, da nur für die in Anspruch genommene Leistung bezahlt werden muss.
"Das Entgelt für die Beseitigung von Niederschlagswasser wird nach der bebauten und befestigten Fläche (auch "versiegelte Fläche" genannt) bemessen, von der aus Niederschlagswasser in die öffentliche Abwasserbeseitigungseinrichtung gelangt" [1].
Das Niederschlagswasserentgelt beträgt 1,84 Euro pro Quadratmeter (m2) entwässerte Grundfläche und Jahr [Stand 1.1.2018].

Die Art und Größe der bebauten bzw. befestigten Fläche muss belegbar und nachprüfbar sein.
Bei der Ermittlung der versiegelten Flächen wird berücksichtigt, dass Flächen, die nicht oder nur geringen Einfluss auf den Abfluss des Niederschlagswassers haben, nicht oder nur anteilig bei der Berechnung des Entgelts für die Niederschlagswasserbeseitigung angesetzt werden. [www.bwb.de]
So werden z.B. bei begrünten Dachflächen nur 50% der jeweiligen Fläche bei der Berechnung des Niederschlagswasserentgelts angesetzt. Weitere Verminderungen der anzusetzenden versiegelten Flächen können vom Kunden beantragt werden, wenn der Nachweis erbracht ist, dass durch verschiedenen andere Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung (z.B. Verdunstung, Betriebswassernutzung, Versickerung) eine verminderte Einleitung von Niederschlagswasser in den Kanal erfolgt.

Die Festlegung von Qualitätskriterien z.B. für die Dachbegrünung, die auch die Wartung und Pflege der verschiedenen Anlagen der Regenwasserbewirtschaftung beinhaltet sollte bei der Gebührenreduktion in Zukunft verstärkt berücksichtigt werden.
Bei umfassenden Sanierungen von Gebäuden und bei Neubauten im Zuständigkeitsbereich des Landes Berlin sind verschiedene Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung darzustellen und zu bewerten. [3] [4]

Literatur:
[1] Allgemeine Bedingungen für die Entwässerung in Berlin (ABE), www.bwb.de
[2] Erläuterungen zur Einführung getrennter Entgelte für Schmutz- und Niederschlagswasser ab dem 1.1.2000, Berliner Wasserbetriebe
[3] Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, März 2010
"Konzepte der Regenwasserbewirtschaftung – Gebäudebegrünung, Gebäudekühlung"
Leitfaden für Planung, Bau, Betrieb und Wartung
[4] Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin 2011
Rundschreiben SenStadt VIC Nr. 01/2011
Leitfaden für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen zur Bewertung von Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung – Ausgabe 2011

Betriebswassernutzung

Die Betriebswassernutzung wird für Verwendungszwecke empfohlen, in denen Trinkwasserqualität nicht erforderlich ist. Sie ist für häusliche Verwendungsbereiche - Bewässerung, Gebäudereinigung, Toilettenspülung, Wäschereinigung als auch für gewerbliche und öffentliche Anwendungen – z.B. Kühlzwecke, Wasch- und Reinigungsanlagen möglich.

Wärmerückgewinnung aus Abwasser




Foto rechts unten: T. Ulrich